(Dieser Text wurde erstmal am 16. August 2011 im Sonder-Newsletter von personlich.com, dem Online-Portal der Schweizer Kommunikationswirtschaft publiziert).
Social Media Autor Reto Stuber im Gespräch
Oft fehlt Unternehmen das Knowhow um abschätzen zu können, welche Möglichkeiten Social Media bieten. Und noch viel mehr, wie sie sich diese zunutze machen können. Doch „jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt“. Das hat sich auch der Schweizer Reto Stuber gedacht, als er 2009 in die USA ausgewandert ist, wo er seither seiner Leidenschaft – Internet Marketing und Social Media – nachgeht.
Stuber hat 2010 seine Erfahrungen im Buch „Erfolgreiches Social Media Marketing mit Facebook, Twitter, XING und Co.“ zu Papier gebracht, welches in der 4. überarbeiteten Auflage vorliegt. Für SOMEXCLOUD doziert er über das brandneue Netzwerk Google+ und zeigt dessen Möglichkeiten auf. Wie Unternehmen auf Social Media aufspringen können, erklärt er im Interiew.
Reto Stuber, was raten Sie jemanden, der noch keine Präsenz in den sozialen Medien hat – womit fängt man an?
Man muss sich als Erstes überlegen, warum man aktiv werden will und welche Ziele man damit verfolgt. Dann geht es darum, herauszufinden, wo die relevante Community/Zielgruppe ist, mit der man sich austauschen möchte. Wenn das geklärt ist, kommt das aktive Mitmachen in diesem Umfeld, indem man einen Mehrwert für das Gegenüber schafft. Zu guter Letzt geht es dann darum, die eigenen Aktivitäten möglichst effizient und effektiv zu gestalten und dafür die geeigneten Tools zu finden. Das Management der Social Media Profile und Netzwerke ist eine wichtige Disziplin, sonst kann es schnell passieren, dass man Stunden um Stunden auf Facebook, Twitter und Co. verbringt.
Wie verändern die sozialen Medien das Marketing im Internet?
Die sozialen Medien werden eine immer wichtigere Komponente, die man als Unternehmen nicht unterschätzen sollte. Menschen kaufen von Menschen oder Unternehmen, die Sie kennen, mögen und denen Sie vertrauen. Aber auch die Empfehlungen von anderen Menschen, die ich nicht mal kenne, sind ein wichtiger Faktor, der Vertrauen und Verkäufe fördert. Dieser „Social Proof“ hat nachgewiesenermassen einen positiven Einfluss auf das Kaufverhalten.
Das bedeutet konkret, dass der Faktor Mensch im Netz immer mehr Einfluss hat – und das ist gut so! Unternehmen werden dabei herausgefordert, auf gleicher Augenhöhe mit dem Kunden zu kommunizieren, der Kunde erhält eine öffentliche Stimme. Diese Entwicklung steht noch am Anfang, aber sie ist nicht mehr aufzuhalten.
Einige Unternehmen haben damit schmerzliche Erfahrungen gemacht, und andere haben die Zeichen der Zeit erkannt. Durch geschickten Einsatz der Kanäle konnten diese Vorreiterunternehmen die Menschen im Netz als Ambassadoren gewinnen, um damit das eigene Business weiter auszubauen.
Und wie springt man als Unternehmen jetzt auf diesen fahrenden Zug auf?
Jedes Individuum und jedes Unternehmen durchläuft eine Lernkurve in den sozialen Medien. Man sollte nicht erwarten, dass man von heute auf morgen alles weiss und richtig macht. Aber man sollte jetzt beginnen und Erfahrungen sammeln. Damit kann man herausfinden, wo dass der Einsatz von sozialen Medien am besten für das jeweilige Unternehmen passt. Ich bin davon überzeugt, dass die sozialen Medien die Entwicklung von Menschen und Firmen fördern, weil wir Feedback erhalten. Das ist ja in der „offline“-Welt nicht anders.
Gibt es denn Dinge, die aus Ihrer Sicht im Social Media Marketing besser gemacht werden können?
Was mir in der Praxis, auch bei unseren Kunden, immer wieder auffällt: Nach der ersten Euphorie schlafen die Kanäle ein. Das ist ein Potenzial ist, dass man sich vergibt! Man sollte laufend und stetig am Ball bleiben, das ist viel besser als ein Schnellschuss, wo dann die Energie verpufft.
Auch im Bereich des Marketing Mix wird Social Media oftmals stiefmütterlich behandelt. Es ist nicht damit getan, eine Facebook-Seite hinzustellen! Besser ist es, wenn die Neuen Medien als Ergänzung in die klassischen Marketingaktivitäten einbezogen werden.
Ganz konkret: das Facebook Logo/der Link zu Fanseite gehört auf die Visitenkarte, der Hinweis aufs Briefpapier oder die nächste Rechnung, die Buttons mit den Links zu den verschiedenen Social Media Präsenzen in den E-Mail-Newsletter, der Aufkleber an die Tür, etc.
Was ist die Kernmaxime, die man in den sozialen Medien berücksichtigen muss?
Für mich ist das Wichtigste, dass man einen Mehrwert für das Gegenüber schafft! Es reicht eben nicht, auf der eigenen Facebook-Seite die eigenen Produkte zu beweihräuchern. Vielmehr bedarf einer integrierten und umfassenden Strategie. Man muss sich immer überlegen, wie man dem Empfänger etwas bieten kann.
Das kann zum Beispiel in Form von Tipps und Tricks zum Thema oder Produkt sein, oder über Spezialangebote für die Fans auf Facebook. Wie gehe ich dann mit Kundenfeedbacks um, wie rasch und professionell kann ich diese überhaupt in den sozialen Medien adressieren? Habe ich ein Monitoring realisiert, das mich sofort informiert?
Das Weitergeben des eigenen Wissens und die Offenheit gegenüber Kooperationen und Partnerschaften gehören für mich ebenfalls dazu. Deshalb hat sich auch eine Zusammenarbeit zwischen mir und der SOMEXCLOUD ergeben. Ist halt wieder mal typisch, typisch Social Media eben!
Soziale Netzwerke sind nichts Neues
Social Media Kampagnen strategisch planen: Strategie 2.0
Dialog am flexiblen Point of Communication
